Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB) nach dem SGB III (Agentur für Arbeit)

I. Zielgruppe und Förderdauer

Zielgruppe:

Jugendliche und Jungerwachsene bis 25 Jahre, die ihre allgemeine Schulpflicht erfüllt haben und keine berufliche Erstausbildung haben.

Zur Zielgruppe zählen insbesondere junge Menschen,

  • die noch nicht über die erforderliche Ausbildungsreife oder Berufseignung verfügen oder
  • denen die Aufnahme einer Ausbildung wegen fehlender Übereinstimmung zwischen den Anforderungen des Ausbildungsmarktes und dem persönlichen Bewerberprofil nicht gelungen ist und deren Ausbildungs- und Arbeitsmarktchancen durch die weitere Förderung ihrer beruflichen Handlungsfähigkeit erhöht werden soll.

Darunter fallen auch junge Menschen mit komplexem Förderbedarf,

  • bei denen persönliche Rahmenbedingungen und die familiäre Situation verstärkt berücksichtigt werden müssen und/oder
  • bei denen vor Maßnahmebeginn zwar keine eindeutige positive Prognose zur Herstellung der Ausbildungsreife vorliegt, die Aufnahme einer Ausbildung aber nicht grundsätzlich ausgeschlossen ist und die vor Maßnahmebeginn ausreichend motiviert und stabilisiert sind, um eine regelmäßige Teilnahme sicherzustellen.

Die meisten Träger bieten Plätze für Jugendliche mit und ohne Behinderung an.

Förderdauer:

Die maximale Förderdauer beträgt insgesamt 10 Monate.

Ausnahmen:

  • Jugendliche, die ausschließlich an einer Übergangsqualifizierung teilnehmen: max. 9 Monate
  • Junge Menschen mit Behinderung: max. 11 Monate (vergleichbar mit ehem. F1-Lehrgang)
  • Junge Menschen mit Behinderung, die ausschließlich das Ziel der Arbeitsaufnahme haben: max. 18 Monate (vergleichbar mit ehem. F2-Lehrgang),
  • Jugendliche, die im Rahmen der BvB auf den ersten allgemeinbildenden Schulabschluss ("Hauptschulabschluss") bzw. einen gleichwertigen Schulabschluss vorbereitet werden sollen: max. 12 Monate.

II. Struktur

  1. Eignungsanalyse (EA)
    • Entwicklung eines Stärken-Schwächen-Profils
    • Klärung der Frage, welche berufliche Richtung für den Jugendlichen in Frage kommt
    • Die EA ist der Grundstufe/Förderstufe bzw. Übergangsqualifizierung vorgeschaltet
    • Max. 2 Wochen
  2. Grundstufe (GS)
    • Berufsorientierung / Berufswahl: Herausbildung und Festigung persönlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten
    • Mögliche Förder- und Qualifizierungssequenzen:
      • Berufsorientierung
      • Allgemeiner Grundlagenbereich
      • Berufliche Grundfertigkeiten
      • Sprachförderung
      • Bewerbungstraining
    • Max. 6 Monate
  3. Förderstufe (FS)
    • Verbesserung von beruflichen Grundfertigkeiten, die auf eine Ausbildungsstelle vorbereiten
    • In die FS wird nur übernommen, wer das Ziel der Grundstufe nicht erreicht hat!
    • Mögliche Förder- und Qualifizierungssequenzen:
      • Berufliche Grundfertigkeiten
      • Allg. Grundlagenbereich
      • Sprachförderung
    • Max. 3 Monate; für Jugendliche mit Behinderung max. 5 Monate
  4. Übergangsqualifizierung (ÜQ)
    • für Jugendliche mit bereits vorhandener Ausbildungsfähigkeit, (vergleichbar mit ehem. G-Lehrgängen)
    • Vermittlung von ausbildungsplatzbezogenen Qualifikationen.
    • Mögliche Förder- und Qualifizierungssequenzen:
      • Berufliche Grundfertigkeiten
      • Betriebliche Qualifizierung
      • Arbeitsplatzbezogene Einarbeitung
      • Bewerbungstraining.
    • Jugendliche können direkt in die Übergangsqualifizierung einmünden, wenn sie eine abgesicherte Berufswahlentscheidung getroffen haben und sich intensiv, aber erfolglos um eine Ausbildungsstelle bemüht haben.
    • Max. 9 Monate
  5. Qualifizierungsplan
    • Vor Beginn der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB):
      • Beratungsgespräch
      • Psychologische Testverfahren
    • Die hierdurch gewonnenen Informationen sind Grundlage für die Eignungsanalyse des Bildungsträgers
    • Der Bildungsbegleiter erstellt nach der Eignungsanalyse zusammen mit dem Jugendlichen einen Qualifizierungsplan, den der Berater zu genehmigen hat
    • Qualifizierungsplan ist Bestandteil der Eingliederungsvereinbarung gemäß § 35 SGB III; er ist regelmäßig fortzuschreiben
    • Inhalte:
      • Personenbezogene Daten
      • Persönliche „Lern- und Arbeitsbiographie“
      • Qualifizierungsziele
      • Art und Umfang der Betreuung
      • Zeitplan für die BvB
      • Verlaufs- und Erfolgskontrollen
  6. Bildungsbegleitung
    • Ziel: Sicherung des Eingliederungserfolges
    • Aufgaben:
      • Erstellung und Fortschreibung des Qualifizierungsplanes (in Absprache mit dem Berufsberater und dem Jugendlichen)
      • Zielvereinbarungen mit dem Jugendlichen schließen
      • Verlauf der BvB kontrollieren und dokumentieren; gegebenenfalls auch die Einleitung von Disziplinarmaßnahmen
      • Sicherstellen einer schnellen Integration des Jugendlichen durch Akquisition von Ausbildungs-und Arbeitsplätzen
      • Sicherung und Dokumentation des Eingliederungserfolges
    • Dauer: Ab Eingangsanalyse bis Austritt aus der BvB

Vergütung:
Berufsausbildungsbeihilfen (BaB) sind möglich. Infos dazu gibt es bei der Berufsberatung.